Gravieren, oder: Wie man Stunden lang ruhig bleiben kann.

Das erste Horn, welches ich graviert habe, gehörte meinen Mann. Und er wusste nichts davon.

Durch unser Hobby, dem Reentactment, kam ich immer öfter mit diesem faszinierenden, tierischen Material in Berührung und konnte irgendwann nicht mehr die Finger davon lassen. Mein erster Versuch der Gravur gelang recht gut, was mich inspiriert hat, die Technik weiter zu durchleuchten und auszufeilen.

Dem "normalen" Gravieren, welches hauptsächlich auf Trinkhörnern angewendet wird, folgte einige Jahre später die noch viel feinere "Scrimshaw"-Gravur. Diese Technik wird meist unter dem Mikroskop mit noch feiner geschliffenen 1er-Tattoonadeln gefertigt und eignet sich hauptsächlich für Anhänger und Messergriffe.

Da sich mein Mann in seiner Freizeit dem Schmieden von Damastmessern verschrieb, hatte ich auch in diesem Bereich die Möglichkeit, mich künstlerisch auszutoben.

Hauptsächlich fertige ich Gravuren auf Kundenwunsch an. Den Geschmack eines jeden Einzelnen zu treffen, erweist sich als äußerst schwierig. So ist es besser, wenn die Kunden mir sagen, was sie gerne hätten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bereits ein Trinkhorn haben und dieses verschönert werden soll, oder erst eins benötigt wird. Da ich selbst Trinkhörner (meist von Highlandcattle-Rindern aus der Gegend) herstelle und auch gute Kontakte zu Händlern habe, ließ sich bisher immer das passende Stück (auch Pärchen, für Paare) finden.

Auch lassen sich auf anderen Materialien (künstliches Elfenbein, Mammutelfenbein, Geweihen) Gravuren anfertigen.

Aber nicht nur die Gravuren haben mich in ihren Bann gezogen.

Durch unser Hobby kam ich zu einigen anderen Handwerkstechniken, die leider nach und nach aussterben. Dazu gehört das Verarbeiten der Rohwolle von Schafen aus der Region. Heutzutage legt kaum jemand mehr Wert auf die Herstellung von handgesponnenen Garnen. Warum auch? Gibts in Ramschläden doch "viel weichere" Wolle zu weitaus günstigeren Preisen. Auch ist "unsere" Wolle nichts mehr wert, die Halter der Schafe kriegen kaum mehr Geld. 

Mir persönlich tut das in der Seele weh, wenn die Wolle verbrannt oder untergepflügt wird. Denn auch aus struppiger Wolle lassen sich schöne Teppiche fertigen. Deswegen fahre ich zur Schurzeit sämtliche Schafhalter ab, sammel die Wolle ein und verarbeite sie, bis sie als Garn verwendet werden kann.

Mit Fellen ist es oft das Gleiche. Also habe ich mich mit dem Thema Gerben beschäftigt und rette so, was sonst auf dem Müll landet. Natürlich schaffe ich es ohne die Geräte, wie es sie in professionellen Gerberein gibt, nicht ganz, die Weichheit des Leders hinzubekommen. Aber bisher waren meine Kunden und ich immer zufrieden. So habe ich das Gefühl, die Tiere "weiter leben lassen zu können".

Wikinger, deren Leben wir auf Märkten versuchen, wiederzugeben, sind bekannt für ihre Brettchenborten. Keine Frage, dass ich mich auch diesem Handwerk angenommen habe. Ebenso dem Glasperlen-Drehen und der Brandmalerei. Je nach Auftragslage widme ich mich diesen faszinierenden Techniken und versuche auch hier, altes Handwerk weiter leben zu lassen.

KS

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